Venenerkrankung und Lipödem

Interview mit Dr. Andreas Grube zum Thema: Venen – Begleiterkrankung des Lipödems ?

Er ist seit 25 Jahren niedergelassener Chirurg in seiner Praxis in München und ist spezialisiert auf Venenchirurgie und Leistenbrüche

Herr Dr. Grube, wie lange beschäftigen Sie sich mit dem Thema Lipödem und Venenerkrankungen?

Im Rahmen meiner Praxistätigkeit als Chirurg habe ich mich recht schnell auf das Thema Venenerkrankungen spezialisiert. Das sind jetzt genau genommen 22 Jahre.

In wiefern spielen die Venen eine Rolle bei der Lipödembehandlung?

Nur insofern, dass bei Venenschwäche, diese als erstes behandelt werden sollten und im Falle einer Liposuktion diese im Anschluss durchgeführt werden sollte.

Was bedeutet eine Veneninsuffizienz?

Aufgrund von defekten Venenklappen füllen sich die Venen krankhaft mit Blut. Das heisst es kommt zu einem Rückstau, der wiederum Beschwerden auslösen kann.

Welche Beschwerden sind das genau?

Schmerzgefühl in den Beinen, Schwellneigung, Schmerzen vor allem in Ruhe und aber auch unter Belastung, erhöhtes Risiko für Thrombose und Venenentzündungen, Hautveränderungen, die schlimmstenfalls zu offenen Beinen führen.

Sind diese Beschwerden nicht oftmals ähnlich wie beim Lipödem?

Ja, deswegen ist eine Ultraschalluntersuchung der Venen wichtig, weil sich die Symptome zum Teil sehr ähneln und die Patientin ja beides haben kann.

Gibt es auch vermehrt blaue Flecke bei der Veneninsuffizienz?

Ja.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Venen und Lipödem?

Meines Erachtens nein. Es ist aber durchaus möglich, dass eine Patientin mit einer Venenschwäche und einem Lipödem erkrankt ist.

Was kann man gegen eine Veneninsuffizienz tun?

Die konservative Therapie ist Kompression, allerdings in erster Linie rundgestrickt Klasse II.

Was ist der Unterschied zwischen rundgestrickt und flachgestrickt?

Im Gegensatz zur konservativen Lipödem Behandlung mit flachgestrickter Kompression. Die flachgestrickte Kompression ist besser an das Bein zu modellieren. Diese Art der Kompression passt sich besser an das Bein an. Der Kompressionsdruck ist bei Klasse II immer gleich.

Wann operiert man die Venen?

Die konservative Therapie ist in seltenen Fällen ausreichend. Weil man mit Kompression bei einer Veneninsuffizienz die Entwicklung von Krampfadern verlangsamen, aber nicht stoppen kann.

Bei einem zusätzlichen Lipödem-Befund und einer anstehenden Operation des Lipödems sollten immer zunächst die Venen kontrolliert werden, um eine Venenschwäche auszuschließen. Im Falle eines operationswürdigen Befundes der Venen, ist eine Venen op vor einer Liposuktion sinnvoll.

Welche Verfahren gibt es?

Erstens die klassische Venen OP das sogenannte Stripping, diese Methode wird dann durchgeführt, wenn die moderneren Verfahren nicht möglich sind.

Moderne Verfahren sind : Radiowellen Therapie (Closure fast) oder Arcylkleber (Venaseal).

(Anmerkung der Redaktion : detailliert alles über diese Verfahren unter www.dr-grube.net)

Wie groß muss der zeitliche Abstand zu einer Liposuktion sein?

Je nach Ausmaß des Befundes  und abhängig von der OP Technik ca. drei bis sechs Wochen. Der jeweilige Venen Chirurg sollte dies festlegen.

Ich werde häufig nach der Behandlung von Besenreisern gefragt Sind Besenreiser ein Zeichen für eine Venenschwäche?

Nein. Besenreiser sind lediglich ein kosmetisches Problem.

Wie behandelt man diese?

Sie lassen sich in der Regel sehr gut veröden oder Laser.

Beides ist keine Kassenleitung. Auch für Privatpatienten nicht.

In welcher Jahreszeit sollte man die Venenbehandlungen durchführen lassen?

Besenereiser zur kälteren Jahreszeit von September bis April, die Venen OPs ganzjährig möglich.