Lipocura München | Helferin misst Beinumfang bei Patientin

Ursachen

Woher kommt ein Lipödem? Diese Frage ist noch nicht abschließend geklärt. Sicher scheint, dass in vielen Fällen eine genetische Veranlagung vorliegt. Wenn also z.B. Ihre Mutter oder Großmutter ein Lipödem hat, kann sie die Erkrankung an Sie vererbt haben. Das Lipödem entsteht auf jeden Fall nicht durch Übergewicht. Die Anzahl der Fettzellen steht bis zum 20. Lebensjahr fest. Danach können sie nur noch größer werden. Beim Lipödem handelt es nicht nur um eine bloße Vergrößerung der Fettzellen wie zum Beispiel bei Übergewicht, sondern es kommt zu einer veränderten Struktur des Fettgewebes. Es ist also eine Erkrankung, bei der sich das Fettgewebe selbst verändert. Aus diesem Grund kann die Erkrankung nicht durch eine Gewichtsabnahme beeinflusst werden – denn die veränderte Struktur bleibt trotzdem.

Wie entsteht ein Lipödem?

Die Struktur des Fettgewebes in der Unterhaut ist bei einem Lipödem verändert. Zum einen können die Lymphgefäße Wasser nicht richtig abtransportieren, was schließlich zu einem chronischen Lymphödem führt. Zum anderen kommt es zu einer Fibrosierung (Vermehrung des Bindegewebes) und Narbenbildung des subkutanen Fettgewebes. Diese Narben kann man dann unter der Haut tasten.

Hintergrundwissen: Die Funktion der Lymphgefäße im Körper

Die Aufgabe des Lymphsystems ist das Sammeln von Lymphflüssigkeiten aus allen Körperteilen. Es besteht aus feinsten Kapillaren, die in dickere Gefäße zusammen laufen und ist anders als das Blutgefäßsystem kein Kreislauf.

Die Lymphgefäße ergänzen das Blutgefäßsystem des Körpers und transportieren Körperflüssigkeiten, Blutzellen und Nährstoffe (Fette), die von den Zellen abgesondert werden. Dabei nehmen die feinen Lymphkapillare Gewebswasser (sogenannte Lymphe) auf und gehen in die größeren Lymphbanen und schließlich ins Blutgefäßsystem der oberen Hohlvene über. Das Lymphsystem bildet somit ein Entwässerungssystem für das menschliche Gewebe. Die Lymphgefäße besitzen Klappen, die mit eigener Muskelkraft die Lymphflüssigkeit durch den Körper transportieren. Die Lymphflüssigkeit entsteht dadurch, dass Blutflüssigkeit aus den Arterien als Zwischenzellflüssigkeit in das Gewebe gepresst wird und dort die Zellen mit Nährstoffen versorgt. Der Großteil dieser Flüssigkeit wird durch die Venen wieder aufgenommen, wobei ein kleiner Teil übrig bleibt (circa 2 Liter pro Tag) der über das Lymphgefäßsystem abtransportiert wird. Die Lymphgefäße können bei Bedarf schneller arbeiten und mehr Flüssigkeit aufnehmen und transportieren.

Bei Lipödem Patientinnen ist die Durchlässigkeit der Blutgefäßkapillaren gestört, wodurch vermehrt Flüssigkeit in das Bindegewebe abgegeben wird. Die Fettzellen der Unterhaut saugen diese Flüssigkeit auf und drücken verstärkt auf das Gefäßsystem, wodurch ein Teufelskreis entsteht und noch mehr Flüssigkeit von den Blutgefäßen abgegeben wird. Die Lymphgefäße werden komprimiert und können dadurch weniger Flüssigkeit abtransportieren. Somit entsteht eine Wasseransammlung im Gewebe, ein sogenanntes Ödem.

Zusammenfassung der Funktion des Lymphsystems:

  1. Arterien geben Flüssigkeit in das Gewebe ab, um Zellen mit Nährstoffen zu versorgen
  2. Ein Teil dieser Flüssigkeit wird durch die Lymphkapillaren aufgenommen und transportiert
  3. Das Lymphsystem transportiert somit Körperflüssigkeiten, Blutzellen und Lipide ab und dient als Entwässerungssystem
  4. Das Lymphsystem führt die Lymphflüssigkeit wieder dem Blutkreislauf zu

Mikroangiopathie bei Lipödem

Darüber hinaus erkranken beim Lipödem zusätzlich die kleinsten Blutgefäße (Mikroangiopathie) und in der Folge werden sie durchlässiger. Aufgrund dieser Tatsache kann Blut leichter in das umliegende Fettgewebe austreten und dort aufgenommen werden. Das führt zu blauen Flecken. Aber nicht nur Blut, sondern auch Wasser tritt ins Gewebe aus und verursacht Ödeme, die das Gewebe stark spannen. Durch diese Wasseranstauung entsteht schließlich Druckschmerz – ein Leitsymptom des Lipödems.

Gut zu wissen: Ein Lipödem entsteht meist dann oder kann sich verschlechtern, wenn es zu hormonellen Veränderungen wie in der Pubertät, während der Schwangerschaft oder den Wechseljahren kommt.

Bleibt das Lipödem über Jahre unbehandelt, stört es im weiteren Verlauf den Lymphabfluss und belastet die Lymphgefäße zunehmend. So kann zusätzlich zum Lipödem ein Lymphödem entstehen.

Hormonelle Ursachen: Lipödem Expertin Dr. Med. Katrin Lossagk beantwortet die häufigsten Fragen.

Inwiefern hängt die Entstehung oder der Ausbruch eines Lipödems mit der Antibaby Pille zusammen?

Wissenschaftlich ist ein Zusammenhang noch nicht bewiesen. Einige Patientinnen führen eine Verschlechterung oder den Beginn der Erkrankung jedoch auf die Einnahme der Pille zurück. Diese Daten sind nicht evidenzbasiert.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Lipödem und der Schilddrüse/Schilddrüsenunterfunktion?

Auch hier besteht kein evidenzbasierter Zusammenhang. Dennoch können wir können seit Jahren gehäuft auftretenden Hypothyreosen (mangelnde Versorgung des Körpers mit den Schilddrüsenhormonen Trijodthyronin und Thyroxin) und Hashimoto (Schilddrüsenentzündung) bei Lipödem Patientinnen feststellen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Lipödem und Progesteron/Progesteronmangel?

Progesteronmangel verursacht eine Ödemneigung, daher kann ein zusätzlicher Progesteronmangel eine Verschlechterung des Lipödems mit sich bringen.