Liposuktion demnächst als Kassenleistung?

Anfang des Jahres überraschte der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Öffentlichkeit durch einen Änderungsantrag zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TVSG). Das Bundesministerium für Gesundheit sollte die Möglichkeit bekommen, durch Rechtsverordnung neue Untersuchungs- und Behandlungsverfahren zu bestimmen, die zu Lasten der Krankenkasse zu erbringen sind. Als Beispiel führte der Minister die Liposuktion beim Lipödem an. Hierdurch sollte die langwierige und oft mehrere Jahre dauernde Entscheidungsprozedur zur Methodenbewertung des hierfür zuständigen Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) in Einzelfällen umgangen werden.

Als Reaktion auf diesen Vorstoß hat jetzt der Vorsitzende des GBA, Josef Hecken, in einem Brief an Minister Spahn eine zeitlich befristete Genehmigung der Kostenübernahme für Liposuktionen bei Lipödempatientinnen im Stadium 3 in Aussicht gestellt.

Das Stadium 3 ist charakterisiert durch eine ausgeprägte Umfangsvermehrung insbesondere der Arme und Beine mit überhängenden Gewebeanteilen (Wammenbildung). Es handelt sich um das fortgeschrittene Stadium des Lipödems mit massivem Befund (Abbildung).

Patientin mit Lipödem Stadium 3

Grundsätzlich ist aus unserer Sicht die Entwicklung sehr zu begrüßen, die einzige kurative Behandlungsmöglichkeit des Lipödems in Form der Liposuktion in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen, um den betroffenen Patientinnen effektiv helfen zu können.

Positiv zu vermerken ist auch der Hinweis des GBA-Vorsitzenden auf die erforderliche Strukturqualität der Ärzte, die Liposuktionen durchführen.
Wie Herr Hecken richtig darstellt, ist das Lipödem Stadium 3 allerdings wesentlich seltener als die Stadien 1 und 2. Somit können leider nur wenige unser Patientinnen von der Möglichkeit der Kostenübernahme profitieren. Ziel sollte aber ohnehin eine Behandlung in früheren Stadien sein, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.
Zutreffend ist auch der Hinweis von Herrn Hecken auf die deutlich höhere Komplikationsrate im Stadium 3. Es ist zudem davon auszugehen, daß die gesetzlichen Krankenkassen die Einstufung in das Stadium 3 in jedem Einzelfall kritisch hinterfragen und eine Stellungnahme des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) einholen werden.

Somit kann die Kostenübernahme für das fortgeschrittene Stadium 3 nur ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Es ist zu hoffen, daß nach der geplanten Studie des GBA zur Liposuktion bei Lipödem dann auch die überwiegende Mehrzahl der Patientinnen von der Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen profitieren können.